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Barnsen: Karneval der Tiere (Review)

Artist:

Barnsen

Barnsen: Karneval der Tiere
Album:

Karneval der Tiere

Medium: CD/Limitiert/LP farbig
Stil:

Von Kammermusik bis Rock und zwar absolut tierisch und filmreif

Label: Seegang Musik/Eigenvertrieb
Spieldauer: 40:48
Erschienen: 16.10.2026
Website: [Link]

„'Karneval der Tiere' ist ein Album, das aus Neugier, Begeisterung und einer Portion Mut entstanden ist. Die Idee dazu lehnt sich lose an Camille Saint-Saens Werk an, die Stücke auf diesem Album sind jedoch komplett neu komponiert und stehen musikalisch unabhängig vom Original.“ (BARNSEN auf dem LP-Einleger zu „Karneval der Tiere“)

Wie nur beginnt man eine Kritik zu diesem 'rundum tierischen' Album?

Schreibt man zuerst etwas über das waghalsige, über Crowdfunding finanzierte Projekt der (wie man schnell erkennt) ersten Güteklasse von Bernhard Wegner-Schmidt, der eigentlich ein Punk- und Rock-Gitarrist (SONDERMARKE und TAGTRAUM) ist und als BARNSEN völlig neue musikalische Wege zwischen Klassik und filmmusikalischer Rockmusik beschreitet?


Oder beginnt man doch besser mit einem Hinweis zu dem „Karneval der Tiere“, einer Kammerorchester-Suite des französischen Komponisten und Romantikers Camille Saint-Saens (1835 - 1921) aus dem Jahr 1886?

Ach, am besten lassen wir BARNSEN zu Wort kommen, der in einer Anfrage an mich, ob wir vielleicht sein Album unter unserer Seite besprechen könnten, folgendes schrieb: „Ich habe hier eine etwas ungewöhnliche Veröffentlichung für euer Magazin. Es handelt sich um ein Instrumentalalbum, das ein wenig an eine Mischung aus Filmmusik, Postrock und Klassik in orchestraler Besetzung erinnert. Vielleicht ist es aber dennoch ein wenig interessant für euch, da einige Musiker der Produktion bereits bei Bands wie KETTCAR, MATZE ROSSI, TAGTRAUM oder SONDERMARKE mitgewirkt haben und es für manchen Leser dann ggf. doch ein wenig von Bedeutung ist.“


Diese Zeilen, die im Grunde schon bestens einen ersten Eindruck zur Musik hinter „Karneval der Tiere“ von BARNSEN vermitteln, weckten sofort Neugier. Und gerade solche Musik ist für uns wahrhaft nicht nur „ein wenig von Bedeutung“, sondern erhält immer wieder – wie fast jede musikalische Spielart, besonders in spannenden Kombinationen – unser ganzes Interesse.
Also war es gar keine Frage, sich auf diesen musikalischen Freigeist, der im wahren Leben den Namen Bernhard Wegner-Schmidt trägt, einzulassen. Noch dazu beweist die Liebe des Musikers, der aktiv auch mit SONDERMARKE unterwegs ist, zur Musik und der Form der Tonträger, auf die man diese pressen lässt, ein echtes Feingefühl. Denn „Karneval der Tiere“ wurde streng limitiert auf von Hand durchnummerierte 300 Exemplare im farbig rot-marmorierten Vinyl veröffentlicht, dessen Klangbild zudem schlicht großartig ist – und genau die volltönende Wärme, welche wirklich nur von Vinyl so klingen kann, soundtechnisch ausstrahlt. Ein Freudenfest auf jeder hochwertigen Musikanlage. Zu der außerdem noch das Freudenfest hinzukommt, das einen befällt, wenn man das wunderschöne Plattencover und die unterschiedlichen Labelgestaltungen (Affe und Schwan) der beiden LP-Seiten betrachtet.
Das allergrößte Freudenfest aber offenbart sich, wenn die LP ihre ersten Kreise zieht und der „Karneval der Tiere“ erklingt.

Doch hier sollte dann wohl noch der zweite Hintergrund zu diesem BARNSEN-Album und dessen ganze Schönheit offenbart werden, indem die Inspiration hinter diesem Werk kurz geklärt wird.


Ich erinnere mich selber noch daran, dass ich als Kind im Musikunterricht – ach ja, das ist schon über ein halbes Jahrhundert her – mit großer Faszination zwei Werke (Damals wurden wir in der DDR im Musikunterricht fast ausschließlich mit Klassik 'gequält'.) hörte und gespannt folgte. Das eine war das 1936 entstandene russische Musikmärchen „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew und das andere der französische Gegenspieler „Karneval der Tiere“, die Suite für Kammerorchester von Camille Saint-Saens. Beide zeichnete die spannende Tatsache aus, dass einzelne Instrumente oder Melodien und Partituren die Rolle von einzelnen Tieren übernahmen. Übrigens gilt noch heute, wenn man das eine oder andere Tier sieht, das seine spezielle Vertonung erhielt, man diese sofort wieder im Ohr hat. Zumindest wenn man zu den Musikliebhabern gehört, die diese musikalische Leidenschaft noch als ihren Lebensinhalt betrachten. Und vielleicht sogar noch sein eigenes Krafttier – wie in meinem Falle den Hai – dabei entdeckt und sich denkt: Oh ja, so könnte sich das tatsächlich anhören, was mir da als 'Krafttier' an die Seite gestellt wird.


BARNSEN jedenfalls gehören definitiv mit zu diesen Lebensinhalt-Leidenschaftlern, weswegen Saint-Saens' „Karneval der Tiere“ als Anregung für ihren eigenen tierischen Musik-Karneaval – allerdings als wilde Kombination aus Orchestralem, Postrockigen, Sountrackmäßigem, Progressivem und Episch-Verspieltem – herhalten muss.

Genau dieses Gefühl, das mehr als 50 Jahre zurückliegt, befällt mich tatsächlich beim Hören von BARNSENs „Karneval der Tiere“.
Kann es eigentlich etwas Besseres und Schöneres geben, was Musik beim Hören bewirkt, als genau dieses Gefühl!?
So gesehen muss ich als Kritiker tatsächlich Bernhard Wegner-Schmidt sehr dankbar dafür sein, dass er um die Besprechung (s)eines Albums bat, das sonst wohl bei der schieren Menge von Neuveröffentlichungen und Anfragen, die uns tagtäglich erreichen, untergegangen wäre. Obwohl doch irgendwo der „Karneval der Tiere“ noch unentdeckt darauf lauerte, ein 'Festival der Gefühle' (aber keinerlei 'Jahrmarkt der Eitelkeiten') in den arg strapazierten Kritiker-Ohren zu entfachen. Welch Glück!


Eine besonders wichtige Rolle bei diesem tierischen Karneval spielen zudem die FOUR4STRINGS, ein stilvielfältiges, herrlich erfrischendes Streichquartett, das sich selber als „vielseitig und erfrischend – ohne Konventionen, genreübergreifend oder auch ganz bewusst grenzüberschreitend“, bezeichnet, das „Bach, Mozart, die Beatles oder Coldplay – sie alle sind großartige Komponisten, die Musik für die Ewigkeit erschaffen haben“, spielt. Nun also geben sie den Tieren hinter BARNSEN ihren eigenen Klang und musikalischen Charakter. Damit dürfen sie ihre Beschreibung noch um „tierisch und naturverbunden“ erweitern. Diesem Album jedenfalls verleihen die vier Streicher mit Geigen, Bratsche und Cello eine ganz spezielle Eigenart, die besonders die klassische Seite des Albums betont.

Doch es tauchen noch weitere, in diesem Falle – neben dem Rockinstrumentarium (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Tasteninstrumente) – recht ungewöhnliche, weltmusikalische oder traditionelle Instrumente auf, wobei neben den Streichern allerdings eine breite Entfaltung den Blech- und Holzbläsern zufällt, die durch Saxophone, Hörner, Flöten, Klarinetten, Posaunen und Trompete vertreten sind. So kommen mehr als 20 Musiker zusammen, die dem „Karneval der Tiere“ regelrecht ein orchestral-bombastisches Angesicht verleihen – aber nicht im Sinne eines Zoos, sondern eindeutig in freier Wildbahn – und jedem der insgesamt 12 Tiere seine ureigene, charakteristische Melodie verleihen. Beim Hören hat der neugierige Musik-Affino nun die Möglichkeit, für sich die Entscheidung zu treffen, ob er z.B. beim „Gorilla“ oder „Faultier“ oder „Mondfisch“ atmosphärisch eine ähnlich rhythmische Beziehung wie BARNSEN aufbauen würde. Außerdem tauchen auf BARNSENs „Karneval der Tiere“ insgesamt mit dem Elefanten und dem Schwan nur zwei Tiere auf, die auch Camille Saint-Saens für seine Kammermusik verwendete, was Wegner-Schmidts Worte bestätigt, dass seine LP deutlich vom Original abweicht und größtenteils unabhängig davon komponiert wurde.


FAZIT: Wer so viel wagt, kann nur gewinnen: „Ich bin Autodidakt, komme ursprünglich aus dem Punkrock und habe die letzten 35 Jahre fast ausschließlich E-Gitarre in Bands wie TAGTRAUM oder SONDERMARKE gespielt und dafür auch Texte geschrieben. Ein Instrumentalalbum für eine große Besetzung mit Streichern, Bläsern, Piano und Rhythmusgruppe zu komponieren und zu produzieren, war für mich eine komplett neue Herausforderung.“, so schreibt es BERNHARD WEGNER-SCHMIDT aka BARNSEN im LP-Einleger der wunderschön gestalteten, streng limitierten, rot-marmorierten LP „Karneval der Tiere“. Seine neue Herausforderung ist ihm nicht nur gelungen, sondern sie beweist seine ganze Größe als Musiker, der gemeinsam mit klassisch und rockig ausgebildeten und musiklebenserfahrenen Musikern dieses Meisterwerk zustande bringt. Ein kleines unentdecktes kammermusikalisch rockendes Meisterwerk in orchestraler Besetzung, das nach dem Vorbild des Romantikers Camille Saint-Saens (1835 – 1921) seinen eigenen tierischen Musik-Karneval als wilde Kombination aus Orchestralem, Postrockigem, Sountrackmäßigem, Progressivem und Episch-Verspieltem entstehen lässt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 47x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (21:28):
  • Eule (1:15)
  • Kamel (4:09)
  • Zebra (4:43)
  • Gorilla (4:56)
  • Elefant (3:59)
  • Faultier (2:26)
  • Seite B (19:20):
  • Spinne (4:01)
  • Mondfisch (2:51)
  • Hai (2:55)
  • Skorpion (3:40)
  • Schwan (3:29)
  • Wolf (2:24)

Besetzung:

  • Bass - Simon Friedrich
  • Gitarre - Bernhard Wegner-Schmidt
  • Keys - Werner Goldbach, Tabea Thurn
  • Schlagzeug - Uwe Breunig
  • Sonstige - Bernhard Wegner-Schmidt (Mallets, Percussion), Veronika Hagemann, Ralf Hübner, Anna Mavrommatis-Karaaslan (Geigen), Olga Hübner (Bratsche), Philipp Hagemann (Cello), Matthias Kügler, Lea-Sophie Hillenbrand (Klarinetten), Stefan Göbel, Hannah Kleinhenz (Hörner), Julian Pfister (Trompete), Pauline Walter, Maxine Troglauer (Posaunen), Jörg Wiedersich (Flöte), Anton Mangold, Fritz Wenzel (Saxophone, Flöten), Omar Kattan (Darbuka)

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